All-in statt Diversifikation ist nichts für mich, und nichts für den Normalanleger.

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Year-to-Date (YTD)

Seit Jahresbeginn steht der Dax bei -14.5%, der S&P 500 bei -12.3%, der Nasdaq 100 bei -19.0% und selbst der MSCI World bei -13.5%.

Wenn du Mal gedanklich zurück gehst in die Zeit im Sommer 2020 bis Anfang 2021, da kannte die Euphorie für Techwerte keine Grenzen. Vor allem unprofitable Unternehmen, die von den Lockdowns und Home Office profitierten wie Pelaton und Teladoc, waren die Top Renner.

Der Anfang von einem möglichen (schnellen) Ende

Das Schlimme fand ich daran, dass immer mehr Finanz-YouTuber und damit wahrscheinlich nicht wenige Zuschauer den Fokus von klassischen Grundprinzipien wie die Diversifikation auf sehr konzentrierte Investmentwetten umgeschwenkt hatten.

Gerne wurde dabei auch Mal ein Warren Buffet zitiert mit den Worten „diversification preserves wealth, concentration builds wealth“.

Nach ein paar Stunden Recherche auf YouTube, einem kleinen DCF Model, dass man auf Basis einer Vorlage aus dem Internet eben schnell gebastelt hat und vielleicht der einen oder anderen kurzen Unternehmenspräsentation, die man überflogen hat, wurden diese Finanz-YouTuber und auch typische Kleinanleger unter den Zuschauern zu vermeintlichen Experten in Tesla & Co.

„Und wenn du die feste Überzeugung hast, dass das Unternehmen durch die Decke geht, dann musst du auch All-in gehen“.

„YOLO-Stocks“ waren dann das eine Ergebnis dieser Denke. Wobei allein schon der Begriff mehr nach Wette und Glücksspiele klingt als ein nachhaltiges Investment.

Die üblere Art waren dann eher die „High Conviction Stocks“. Ich muss dabei an drei YouTuber denken:

Meet Kevin, der nicht selten 50% und mehr in Tesla (TSLA) Aktien investiert hatte. Bei ihm macht das bereits zwischen $10-15 Millionen an Vermögen aus.

Meet Kevin ist dabei eine der Personen, für die Konzentration statt Diversifikation bislang voll aufgegangen ist, denn Tesla hatte sich bei ihm wenn ich mich richtig erinnere mehr als verzehnfacht und Millionen eingebracht. Er ist aber auch die Person, bei der ich an das Thema Survivorship Bias denke (hier mein letzter Artikel dazu), denn es gibt sehr sehr viele, die sich an Tesla auch die Finger verbrannt haben, u.a. diverse Short Seller wie der berühmte und sehr smarte Michael Burry.

Tom Nash, der etwas zwischen 25-35% seines Portfolios in Palantir (PLTR) Aktien investiert hatte. Zum Glück sei etwa die Hälfte seines Portfolios in einem S&P 500 ETF. Seit dem absoluten Peak im Januar 2021 verlor Palantir -70% an Börsenwert und das tut ihm dann trotzdem weh.

The Dogecoin Millionaire, der Anfang 2021 neben seinem damals nahezu nicht existierenden eigenen Vermögen auch noch das seiner Freunde und Familie in die Cryptowährung Dogecoin steckte, zeitweise auf knapp $3-4 Millionen anstieg und aktuell weit weit unter der $1 Millionen Marke sein dürfte. Dogecoin verlor seit dem Peak in 2021 über -90% an Wert.

In einem Bull Markt wurde auch ich schnell mutiger

„Ich habe mich extrem gut eingelesen und so viel Recherche betrieben wie noch nie. Das kann nur nach oben gehen“.

Ja ne, eben nicht. So ziemlich alles kann passieren.

Wer hätte gedacht, dass 2020 das Jahr einer globalen Pandemie wird und alle Märkte abschmieren, die darauf folgenden 12 Monate der Boom des Jahrzehnts und das Jahr 2022 wohlmöglich das Jahr der Kriege und der globalen Rezession.

Ich fand es immer gefährlich, All-in in einzelnen Positionen zu gehen, sei es mit echtem Geld oder beim Pokern. Ich bin da eher risikoavers. Aber auch ich habe mich manchmal verleiten lassen höhere Risiken zu nehmen.

Zum Glück habe ich dann doch eher auf die vermeintliche Rendite an der einen oder anderen Stelle verzichtet, denn selbst wenn man alles richtig macht und den richtigen Riecher hatte, kann immer noch so ziemlich alles eintreten und das Investment und Portfolio um -50%, -75%, -90% (Beispiel Amazon 2001) und auch -100% (Beispiel Wirecard 2020) abrauchen lassen.

Um solche Ergebnisse im Portfolio kommt man sehr wahrscheinlich nie ganz rum und ich habe genau solche Ergebnisse auch gerade in meinem Portfolio.

Das Entscheidende für mich ist jedoch, sind ein Totalverlust wie für manche im Fall Wirecard dann zum Glück nur -1% bis -5% Minus im Gesamtvermögen oder dann noch eher -75% bis -100%, je nachdem wie konzentriert die Wette auf Wirecard war?

Meine eigenen Minen im Portfolio

Hier mal ein paar schöne Mahnmale für mich im eignen Portfolio, als Erinnerung daran, dass ich auch in Zukfunt meine Diversifikation im Auge behalten sollte.

Teladoc (TDOC) | -87% seit dem Peak | -73% in meinem Portfolio

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Palantir (PLTR) | -73% seit dem Peak | -43% in meinem Portfolio

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Shift (SFT) | -91% seit dem Peak | -75% in meinem Portfolio

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Und wenn jetzt der Kommentar kommt „ja aber das sind doch alles nicht-profitable Unternehmen, natürlich tauchen die ab“, dann hier mal ein weiteres Beispiel, wo selbst ein echter Superinvestor wie Charlie Munger tief in den roten Zahlen steckt.

Alibaba (BABA) | -69% seit dem Peak | -33% in meinem Portfolio

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Lange Rede, Kurzer Sinn

All diese Positionen in meinem Portfolio tun weh.

Und ich beiße mir hin und wieder auf die Lippe, weil ich mich bei manchen dieser Investmententscheidungen durchaus von der Tech Euphorie in 2020 und 2021 leiten ließ.

Gleichzeitig bin ich jedoch auch happy, dass ich im Großen und Ganzen an meine Prinzipien festgehalten habe.

Nummer 1: Ich investiere in der Regel nie mehr als 5% meines Vermögens in eine einzelne Position.

Nummer 2: Ich kenne mein Vermögen. Ich weiß jederzeit wie viel Geld ich vor allem in High Growth und Risikoinvestments investiert habe, sodass ich jederzeit eingreifen kann.

Ich bin kein Warren Buffett. Und genau deshalb habe ich auch kein Problem damit einzugestehen, dass ich nicht smart und erfahren genug bin konzentrierte Investments und Wetten abzuschließen.

Wenn du dich an das Zitat oben noch erinnerst, wo es darum ging „concentration builds wealth“: Warren Buffett sagte auch „wide diversification is only required when investors do not understand what they are doing“. Ich interpretiere das auch so, dass Konzentration für Profis ist und nicht für übermutige Normalanleger, die sich gerne wie Profis fühlen.

Diversifikation ist und bleibt für mich als Normalanleger weiterhin die bessere Strategie und jetzt auch live bewiesene Strategie.

PS: Diversifikation heißt für mich nicht nur in mehrere statt nur in ein einziges Unternehmen zu investieren, sondern in nicht miteinander korrelierende Unternehmen und auch sonst in nicht miteinander korrelierende Einkommen. Investor Ray Dalio ist hier ein starker Prediger einer solchen Strategie, aber das wäre ein Thema für ein anderes Mal 🙂

Bis dahin, viel Erfolg!

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