Besteuerung von Dividenden aus den USA: Wie läuft das mit der lieben US-Quellensteuer

Bevor ich investierte.

Vor ein paar Wochen habe ich mich für das US Unternehmen Kraft Heinz interessiert und wollte es mir in mein Depot legen.

Dabei kam ich aber zwangsläufig nicht an dem Thema Steuern vorbei. Denn ähnlich zur Abgeltungssteuer in Deutschland wird in den meisten Ländern eine ähnlich hohe oder sogar noch höhere Quellensteuer erhoben.

So auch in meinem Fall, in den USA.

Ich wollte also wissen, wann ich wo Steuern zahlen muss und wie ich sie mir notfalls zurück holen kann, sobald Kraft Heinz Dividenden ausschüttet.

Erstmal das Problem

Im Normalfall erheben die USA 30% Steuern auf ausgeschüttete Dividenden. Würde es dabei bleiben, hätte ich bei einer Dividende aus den USA eine um 5 Prozentpunkte höhere Besteuerung als in Deutschland (25% Abgeltungssteuer; der Einfachheit halber den Soli mal außen vor).

Liefe es ganz blöd, interessiert Väterchen Deutschland nicht, was ich anderswo an Steuern gezahlt habe und greift mit 25% noch Mal zu. Damit würde ich bei 45 Cent Nettodividende auf jeden vollen Euro kommen (wie gesagt, Soli mal außen vor).

Nicht so wirklich prikelnd.

Die Lösung

Glücklicherweise gibt es zwischen den meisten Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen, welches in aller erster Linie eine solch krasse doppelte Besteuerung verhindert. Das heißt Deutschland langt nicht noch Mal nach, wenn in den USA bereits mindestens 25% Steuern gezahlt wurden.

Darüber hinaus wurde mit den USA vereinbart, dass sich die US-Quellensteuer von 30% auf 15% reduziert. Damit entfällt auch eine mögliche Mehrbesteuerung. Noch wichtiger, diese ist dann auch noch anrechenbar auf die Abgeltungssteuer, die in Deutschland zu zahlen ist.

Eine Erstattung einer Mehrbesteuerung ist übrigens in manchen Fällen zwar möglich, aber unter Umständen sehr komplex, zeitaufwändig oder unwirtschaftlich (google mal „französische Quellensteuer“).

Hier eine Übersicht des Bundeszentralamts für Steuern für alle anrechenbaren ausländischen Quellensteuern: LINK

Einzige Bedingung für diesen reduzierten Steuersatz aus Sicht eines deutschen Anlegers ist – wie so oft im Leben – ein ausgefülltes Formular: Das W-8BEN (Certificate of Foreign Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding and Reporting).

US Dividenden über OnVista

Im Internet hatte ich aufgeschnappt, dass sich die OnVista Bank, bei der ich mein Depot habe, automatisch um dieses W-8BEN Formular kümmert. Also habe ich die Füße still gehalten.

Jetzt, wo ich wusste, dass ich automatisch in den Genuss komme, in den USA nur 15% Quellensteuer zahlen zu müssen und in Deutschland nur noch 10% nachzahle, war für mich dieses Thema erledigt. Mehr muss ich nicht wissen.

Im Februar habe ich mir also Kraft Heinz Aktien ins Depot gelegt.

Im März kam dann auch schon die erste Dividende und wurde „glücklicherweise“ wie erwartet besteuert.

In dem Auszug sieht man ganz gut die Umrechnung von USD in EUR. Wichtiger ist jedoch die 15% US-Quellensteuer, die als erstes von meiner Dividende abgeht.

Jetzt gibt es hier zwei Szenarien.

1. Szenario: Ich habe noch einen Sparer-Pauschbetrag

Für mein Depot nutze ich den vollen Sparer-Pauschbetrag von € 801, den ich bis dahin noch nicht aufgebraucht hatte.

Das heißt in meinem Fall endet hier die weitere Besteuerung in Deutschland.

An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, dass es dann trotzdem bei der 15% US-Quellensteuer bleibt und man diese (zumindest nach meinem Wissen) als deutscher Anleger nicht erstattet bekommt.

Ja ich weiß, „unfair!!!“ schreien sie jetzt alle. Aber so ist das eben.

2. Szenario: Ich habe keinen Pauchbetrag mehr

In diesem Fall käme noch die deutsche Abgeltungssteuer dazu. Jedoch nicht im vollen Umfang, sondern nur noch die verbleibenden 10%, um auf eine Gesamtbesteuerung von 25% plus Soli zu kommen.

Fazit

Als deutscher Anleger und Kunde der OnVista lief alles unkompliziert und wie erwartet, muss ich sagen. US-Aktien und ausschüttende US-Aktienfonds können also problemlos gekauft werden in dieser Hinsicht.

Zu beachten bleibt halt, dass in den USA in jedem Fall 15% Quellensteuer einbehalten werden und ich etwas schlechter weg komme, solange ich mich innerhalb des Sparer-Pauschbetrags bewege.

Ich für meinen Teil muss hier jedenfalls nicht mehr tiefer graben. Für andere Länder reichen mir nämlich erst mal meine breit gestreuten ETFs.

Mich würde hier jedoch interessieren, welche anderen Depotbanken das W-8BEN Formular automatisch ausfüllen. Was sind Deine Erfahrungen?

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6 comments on “Besteuerung von Dividenden aus den USA: Wie läuft das mit der lieben US-Quellensteuer

  1. Für die Comdirect und DKB von der Liste kann ich das aus meinen Depots bestätigen. Da der Soli nur auf die verbleibenden 10% in Deutschland anfällt, sind US-Aktien oberhalb des Freibetrags sogar steuerlich marginal günstiger, als solche aus Deutschland oder Großbritannien 😉

  2. Danke für den verständlichen Beitrag.

    Also wenn mein Depot ein Doppelbesteuerungsabkommen hat, werden grundsätzlich immer nur 15% US-Steuer + 10% DE-Steuer fällig – unabhängig ob Aktien, ETFs, Fonds, Futures etc.?

    Wie ist das denn z.B. beim „iShares Nasdaq 100 UCITS ETF“ (ISIN DE000A0F5UF5, WKN A0F5UF ) mit Fondsdomizil Deutschland, aber eben der Nasdaq-ETF besteht bekanntlich zu 100% aus US-Aktien?

    1. Hi Max, entschuldige die späte Antwort. Eine gute Frage!

      Ich gehe mal von einer in Deutschland ansässigen Privatperson aus. Dann wäre es in der Tat so, dass wenn das DBA im Depot berücksichtigt wird, man auf Ausschüttungen von US-Aktien im ersten Schritt mit 15% US-Quellensteuer zur Kasse gebeten wird. In Deutschland sind dann weiterhin 25% Abgeltungssteuer fällig, die wie gewohnt ebenfalls automatisch abgeführt werden (sofern es eine deutsche Depotbank ist), aber die bereits bezahlten 15% werden dir darauf angerechnet. Unterm Strich kommt das selbe 15% + 10%+ Ergebnis raus (Soli mal außen vor), aber es ist wichtig zu wissen, dass sich die Abgeltungssteuer nicht auf 10% reduziert, sondern der steuerbare Betrag der Ausschüttung.

      ETFs werden mit der gleichen 15% US-Quellensteuer belastet, wenn sie US-Ausschüttungen erhalten. Mit Einführung des Investmentsteuergesetzes in 2018 hast du mit der Quellensteuer jedoch dann nicht mehr viel am Hut, zumindest nicht direkt. Schüttet der ETF an dich aus, wirst du nämlich wie üblich mit 25% Abgeltungssteuer besteuert. Entlastet wirst du dann dadurch, dass bis zu 30% der Ausschüttung (je nach Aktienquote des ETFs) freigestellt werden (Stichwort Teilfreistellung) und du darauf keine Steuern zahlst.

      Ich habe auf JustETF übrigens ganz gute Beiträge dazu gefunden, wenn du dich hierzu mehr informieren möchtest: ETFs und Steuern

      Wie es dann für aktive Fonds und insbesondere Derivate wie Futures geregelt ist, kann ich dir leider nicht sagen. Da fehlt mir die persönliche Erfahrung.

      Gruß, Wolfgang

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