Wie mein Vermögen aufgebaut sein sollte

Wenn ich Vermögen aufbauen möchte, muss ich natürlich vorher wissen, wie es am Ende aussehen soll. Dabei ist nicht nur die Zusammensetzung des Vermögens wichtig, sondern auch vor allem die Relation einzelner Positionen zueinander und in welcher Reihenfolge sie aufgebaut werden.

Ich bin ein Fan davon, Dinge einfach zu halten, denn sonst kommt man vor lauter Planerei nicht vorwärts.

Für mich haben sich deshalb genau 4 „Vermögensstufen“ herausgestellt und die mein Vermögen prägen sollen.

1. Das nötige Finanzpolster

Ein Haus braucht ein solides Fundament; Dein Vermögen braucht ein solides Finanzpolster.

Noch bevor Du Deine ersten Investments tätigst, rate ich Dir ernsthaft dazu ein Finanzpolster aufzubauen. Dabei geht es um schnell verfügbares Geld in ausreichender Höhe, damit Deine Investments im Notfall weiter für Dich arbeiten können.

Denn sollte es Mal zum Ernstfall kommen, möchtest Du tunlichst vermeiden, dass Du Deine Investments in einem unter Umständen nicht günstigen Zeitpunkt zurück fahren und dabei Verluste hinnehmen musst.

Die Höhe des Polsters steht Dir natürlich frei zur Wahl und hängt auch davon ab, wie hoch Deine monatlichen Ausgaben sind. Aber ich persönlich empfehle die Daumenregel „das 6-fache der monatlichen Einnahmen“ beiseite zu legen.

Damit das Geld dann auch tatsächlich schnell verfügbar ist, aber nicht unter dem Kopfkissen ein einsames Leben führt, parke ich mein Finanzpolster derzeit auf einem Tagesgeldkonto. Bei den aktuellen Niedrigzinsen wird zwar nicht viel an Zinsen zu holen sein, aber das ist aus meiner Sicht die effizienteste Lösung. Wichtig ist vor allem auch, dass dieses Konto ausschließlich für das Finanzpolster verwendet wird und aus der Reichweite der täglichen Ausgaben und den anderen Dingen, die man sich im Leben so gönnt, bleibt.

Man muss also die Disziplin haben, das Polster aufzubauen und dann auch nur für echte Notfälle einzusetzen. Genauso muss auch die Gewohnheit da sein, das Polster sofort wieder aufzufüllen, sollte es Mal für einen Notfall genutzt worden sein.

Glaube mir, wenn Dir das nötige Finanzpolster zur Verfügung steht, würdest Du selbst wenn Du Morgen umziehen würdest, noch die neue Kaution stellen müsstest ohne die alte zurück erhalten zu haben, Dein Auto unerwartet den Geist aufgibt, Dein Gehalt noch nicht überwiesen wurde, …, nachts immer noch ruhig schlafen können, denn Du hast alles im Griff!

2. Diversifiziertes Investmentportfolio

Sobald Du Dir ein solides Finanzpolster aufgebaut hast und nun ruhig und erholsam schläfst, beschäftigt sich die zweite Stufe mit der Vermehrung Deines Vermögens – und das mit möglichst wenig Risiko.

Es zählt also Diversifikation ohne dabei auf die nötige Rendite verzichten zu müssen. Dies geht aus meiner Sicht am besten mit passiv gemanagten Aktien- und Anleihenfonds.

Derartige Fonds bieten eine kosteneffiziente Lösung um einzelne Indizes oder auch ganze Märkte abzubilden. So lässt sich mit Exchange Traded Funds „ETFs“ recht einfach in den deutschen Aktienindex DAX mit 30 Unternehmen oder die „Welt“ mit über 1,000 ausgewählten Unternehmen recht einfach investieren, ohne dabei die Kosten und den Zeitaufwand auszulösen, den man in eigener Regie hätte.

Warum ich hauptsächlich ETFs für diese Stufe bevorzuge und welche Strategien man dabei verfolgen kann würde an dieser Stelle den Rahmen des Posts sprengen, aber ein entsprechender Artikel dazu ist bereits in Arbeit. Sei also gespannt.

3. Gezielte Einzelinvestments

Dein Finanzpolster stellt das Fundament Deines Vermögens dar. Ein diversifiziertes Investmentportfolio wäre dabei die tragenden Wände und Decken, die dem Haus die nötige Statik und Robustheit verleihen. Du verlässt Dich auf sie damit Dein Haus nicht einstürzt.

Du merkst schon, ich bin vor allem auch ein Immobilien Mensch.

Gezielte Einzelinvestments wären bei dieser Metapher wahrscheinlich alle weiteren Elemente wie Zwischenwände, Fenster, Innenausbau, usw. Sie verleihen Deinem Haus das nötige Extra, sollten aber keine tragende Rolle haben. Denn sollte eines dieser Investments schief gehen, darf Dein Vermögen dadurch nicht gefährdet sein.

Einzelinvestments sind für mich insbesondere gezielte Käufe ausgewählten Aktien als auch der Kauf von Eigentumswohnungen bzw. Mehrfamilienhäusern als Kapitalanlage – wenn sich natürlich die Chance ergibt.

Derartige Investment können in der Regel eine höhere Rendite erzielen, bergen aber natürlich auch mehr Risiko als ein vollständig diversifiziertes Portfolio. Nichtsdestotrotz kann es vor allem in jungen Jahren sehr sinnvoll sein, den Fokus auf diese Vermögensstufe zu legen, denn Dein Anlagehorizont beträgt hoffentlich eher 10-20 als 1-2 Jahre. Bei einem langen Anlagehorizont sind kurzzeitige Schwankungen weniger relevant und die Wahrscheinlichkeit von Verlusten verringert sich spürbar (auch hier ist ein interessanter Artikel bereits in Arbeit).

Alles in allem sollten gezielte Einzelinvestments Dein Vermögen in der Performance unterstützen, aufgrund des erhöhten Risikos jedoch nicht den Kern bilden. Auch bei noch so guter Marktrecherche und Analyse könnten sonst z.B. einzelne Aktien einen großen Teil Deines Vermögens vernichten.

Hier ist also Qualität und die Relation zum restlichen Vermögen wichtig.

4. Risikobeteiligungen

Das i-Tüpfelchen bilden Risikobeteiligungen. Diese bieten die Möglichkeit eines sehr attraktiven Profits auf der einen Seite, aber natürlich auch des Totalverlusts auf der anderen.

Man könnte sie sich vielleicht als zusätzliche Handwerker auf Deiner Baustelle vorstellen. Wenn Sie ihren Job gut machen, wird Dein Haus in Nullkommanix fertig; wenn nicht, dann sollte man tunlichst vermeiden, dass sie es zu einem Sanierungsfall machen.

Risikobeteiligungen können z.B. Beteiligungen an jungen Unternehmen, die Gründung eines eigenen Unternehmens, nachrangige Darlehen für Immobilienprojekte, usw. sein.

Wie gesagt, diese Vermögensstufe bietet die größte Rendite, birgt aber auch das größte Risiko eines Totalverlusts und im schlimmsten Fall noch darüber hinaus. Es sollte also definitiv Deinem Vermögen nur dann beigemischt werden, wenn es in Relation nur einen kleinen Teil ausmacht.

Welche Reihenfolge zu berücksichtigen wäre

Die 4 beschriebenen Stufen deuten bereits eine Reihenfolge an und aus meiner Sicht wäre dies die Reihenfolge beim Auf- und Ausbau Deines Vermögens.

Während jedoch das Finanzpolster unangefochten an erster Stelle steht und Risikobeteiligungen an letzter, kann es vor allem in jungen Jahren sinnvoll sein, gezielte Einzelinvestments ein wenig mehr zu priorisieren gegenüber einem diversifizierten Portfolio.

Der Hintergrund ist vor allem der, dass in jungen Jahren das höhere Risiko besser aufgefangen werden kann und das Extra an Rendite sich über einen Zeitraum von 10, 20, 30 Jahre definitiv bemerkbar macht. Desweiteren wird dadurch vermieden, dass Chancen wie Einzelaktieninvestments in gute Unternehmen nach einer Krise oder der Kauf von renditestarken Immobilien ungenutzt bleiben, nur weil das sonst frei verfügbare Geld in Deinem Depot feststeckt.

In welcher Relation die Stufen zueinander stehen

Das Bild einer Pyramide ist aus meiner Sicht am passendsten, weil sie die Wichtigkeit, Reihenfolge und Relation der einzelnen Vermögensstufen in einem darstellt.

Dass in jungen Jahren die dritte Stufe der zweiten vorgezogen werden kann, habe ich ja bereits erwähnt.

In fortgeschritten Jahren, oder anders ausgedrückt, wenn das Vermögen eine nennenswerte Größe erreicht hat, gibt es eine weitere kleine Ausnahme.

Während das Finanzpolster konstant nach oben angepasst werden sollte, wird es mit der Zeit langsamer wachsen als der Rest des Vermögens. Denn das Geld soll schließlich für Dich arbeiten und nicht auf einem Tagesgeldkonto veröden.

Es ist also unrealistisch und auch nicht wirklich zu empfehlen, dass wenn die zweite Vermögensstufe z.B. €500.000 erreicht hat, Dein Finanzpolster auf über €500.000 auszudehnen.

Nichtsdestotrotz verliert das Finanzpolster niemals an Wichtigkeit!

Wie es bei mir aktuell aussieht

Für mich steht das Finanzpolster an vorderster Stelle, sodass dieses Thema bei mir erfolgreich abgeschlossen ist.

Aufgrund dessen, dass ich mit Mitte 20 mehr Risiko vertrage und einen deutlich längeren Anlagehorizont habe als jemand der kurz vor der Rente steht, liegt mein aktueller Fokus auf Einzelinvestments und erst dann auf einem diversifizierten Portfolio aus ETFs.

Dazu kommt, dass ich aufgrund des aus meiner Sicht überteuerten Marktumfelds aktuell vermehrt Geld anspare und aktiv nach attraktiven Einzelinvestments (sowohl Aktien als auch Immobilien) Ausschau halte anstelle es in ETFs zu binden. Das sich derartige Gelegenheiten bieten zeigte der Diesel Skandal von VW und die Brexit Wahl in 2016.

Wenn Du eine eigene Struktur für Dein Vermögen verfolgst, in bestimmten Punkten anders denkst, oder mir vielleicht sogar zustimmst, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

In a Nutshell

  • Das aus meiner Sicht ideale Vermögen besteht aus 4 Stufen: (1) ein ausreichendes Finanzpolster; (2) ein diversifiziertes Investmentportfolio; (3) gezielte Einzelinvestments; und (4) Risikobeteiligungen
  • Noch bevor Du auch nur daran denkst, Deine ersten Investments zu tätigen, solltest Du Dir ein Finanzpolster (z.B. Geld auf einem Tagesgeldkonto) aufbauen. Als Daumenregel gilt das 6-fache Deiner monatlichen Einnahmen
  • Ein diversifiziertes Investmentportfolio (z.B. ETFs) bietet dir die Möglichkeit attraktive Renditen bei geringem Risiko zu erhalten und so Dein Vermögen stetig weiter auszubauen
  • Gezielte Einzelinvestments (z.B. Einzelaktien und Immobilien als Kapitalanlage) bringen die extra Rendite, die vor allem in jungen Jahren bevorzugt werden kann
  • Risikobeteiligungen (z.B. Beteiligungen an jungen Unternehmen und Nachrangdarlehen) bringen die höchste Rendite, bergen aber auch das höchste Risiko. Sie sollten also nur einen minimalen Anteil Deines Vermögens ausmachen

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