Wie ein „richtiger“ Millionär leben – Teil 1

Ich habe früher ja immer gedacht, dass Millionäre in ihren Villen leben, mehrere Autos besitzen und an sieben Tagen in der Woche auf ihren Yachten private Partys schmeißen.

Ein Luxusleben eben.

Wenn man den Fernseher anmacht, ist es ja auch genau das Bild, was man gezeigt bekommt – die Geissens als bekanntestes Beispiel. Kein Wunder also, dass für die meisten die Definition eines Millionärs ein Leben im Überfluss ist.

Je mehr eine Person ausgibt, desto reicher muss sie ja schließlich sein.

Das dachten auch die beiden amerikanischen Forscher und Buchautoren Thomas Stanley und William Danko, als sie versuchten die Geldgewohnheiten und Finanzen der Reichen zu studieren.

Nur mussten sie während ihrer ersten Invterviews feststellen, dass die meisten, die so ein Luxusleben führten, am Ende gar nicht so reich waren…

Sie zeigten eher das klassische „Big Hat, No Cattle“ Syndrom – in nüchternem Deutsch ausgedrückt: viel materieller Besitz, aber keine Vermögenswerte.

Eine Schippe drauf gelegt, viele von ihnen verfügten zwar über gute Einkommen, hatten aber gleichzeitig einen Riesen Schuldenberg und somit für ihre Verhältnisse unterdurchschnittliches Nettovermögen.

Erst nach dieser ersten Überraschung fanden die beiden Forscher heraus, dass die wirklich vermögenden Menschen und Familien nicht in den Prachtgegenden wohnen, sondern in ganz normalen durchschnittlichen Vierteln, oder wie sie es beschreiben, in dem Haus nebenan.

Zum Teil sind diese Familien so bescheiden, dass nicht einmal die Kinder genau wissen, dass ihre Eltern vermögend sind und eigentlich ausgesorgt haben.

Buchempfehlung: Ihre Erkenntnisse und Auswertungen haben Thomas und William in ihrem Buch „The Millionaire Next Door“ festgehalten. Falls Du das Buch noch nicht gelesen hast und Du Dich für solche Themen interessierst, kann ich es Dir echt empfehlen!

Dabei geht es gar nicht darum, dass diese Personen extrem sparsam und geizig sind. Es geht vielmehr darum, dass sie sehr bewusst darauf achten, für was sie lieber weniger bis gar kein Geld und für was sie gerne mehr Geld ausgeben möchten.

Und weil ich genau diese Einblicke und diese Einstellung für mich so wichtig finde, ist dieser Artikel ein weiterer Teil meines Finanzplans.

Wie leben Millionäre wirklich?

Bevor ich dazu komme, wie ich selbst Geld ausgebe, hier noch ein paar interessante Erkenntnisse aus dem Buch, wie „richtige“ Millionäre mit ihrem Geld umgehen.

Für mich besonders in Erinnerung geblieben sind nämlich die folgenden drei Punkte:

#1 Echte Millionäre geben weniger aus als sie einnehmen

Unter seinen Verhältnissen zu leben klingt soo einfach und simpel, aber genau das ist eine der Tugenden dieser Millionäre, an denen viele andere langfristig scheitern.

Die Rechnung ist einfach. Das was ich sparen kann, kann ich investieren. Das was ich (nachhaltig) investiere, vermehrt sich und erhöht wiederum das, was ich sparen kann.

Im Schnitt investieren diese Familien 20% ihres Einkommens bei einem durchschnittlichen Haushaltseinkommens von $247.000 pro Jahr, zusätzlich zu dem, was sie zur Seite legen.

Gleichzeitig leben sie deutlich unter ihren Verhältnissen.

Trotz guten Gehalts und einem durchschnittlichen Nettovermögen von $3,7 Mio. leben sie beispielsweise in einem bescheidenen Haus mit einem durchschnittlichen Wert von „nur“ $320.000. Keine Villa in Beverly Hills, obwohl sie es sich theoretisch leisten könnten!

Und warum? Weil es ihnen reicht um glücklich zu sein und ihnen finanzielle Unabhängigkeit wichtiger ist.

Kleiner Exkurs: Es gibt eine interessante Studie an der Princeton University die besagt, dass ab einem Einkommen von $75.000 im Jahr mehr Einkommen nicht mehr zu mehr Glücklichsein führt. Menschen sind also am glücklichsten, wenn sie ein Einkommen von $75.000 erreichen (+/- je nachdem in welcher Stadt sie leben). Bestimmte Personen entscheiden sich an dieser Stelle dann für wichtigere Dinge im Leben. Anstelle einer Villa wäre das dann z.B. finanzielle Unabhängigkeit und mehr Zeit für sich und die Familie. Kein Wunder also, dass es diese Millionäre auf ein Vermögen von $3,7 Mio. schaffen. Bei einem Haushaltseinkommen von $247.000 pro Jahr und einem maximalen Bedarf von $75.000 kommt einiges zusammen!

#2 Sie legen mehr Wert auf finanzielle Unabhängigkeit als sozialen Status

Diese Erkenntnis zeigte sich bereits schon an dem Wert ihres Hauses. Mindestens genauso deutlich wird es bei ihrem sonstigen Kaufverhalten.

Wenn es um Kleidung geht, liegt der teuerste Anzug, den sich solche Millionäre kaufen, im Schnitt (Median) bei $399, die teuersten Schuhe bei $140, die teuerste Uhr bei $235.

Klar, die Inflation darf man über die letzten 20 Jahre, seitdem das Buch erschienen ist, nicht vergessen, aber es zeigt trotzdem ziemlich deutlich, dass zwar genug Geld ausgegeben wird, um eine gewisse Produktqualität zu erhalten, aber keinen Cent mehr.

Da kenne ich genug Leute in meinem persönlichen Umfeld, die Uhren ab €1.000 aufwärts besitzen und definitiv keine Millionäre sind.

Das gleiche Bild zeigt sich auch beim Autokauf. Im Schnitt haben diese „echten“ Millionäre nie mehr als $29.000 für ein Auto ausgegeben. Ich bin mir sicher, dass sie beim Neu- oder Gebrauchtwagenkauf auch ganz gut verhandeln können.

Alles in allem zeigt es recht gut, dass eine Rolex und ein Porsche nicht auf dem Einkaufszettel stehen.

#3 Sie geben viel Geld aus, wenn es für sie zählt

Echte Millionäre sind sparsam und geben wenig oder gar nichts aus für Schnickschnack, den sie nicht brauchen wie Markenklamotten, Supersportwagen, Luxushotels, usw.

Sie zögern jedoch nicht für das Geld auszugeben, was ihnen wichtig ist oder wo sie einen großen Nutzen sehen.

Genau das ist etwas, dass ich erst lernen musste, und was für mich persönlich die Quintessenz dieses Artikels ist.

Denn ich selbst war schon immer sparsam. An den falschen Stellen auf die Sparsamkeit zu achten kann jedoch echt nach hinten losgehen.

Was das dann genau ist, hängt von Person zu Person ab, aber zu den Klassikern, für die „echte“ Millionäre gerne Geld ausgeben, gehören:

  • Qualität. Wenn bequeme Schuhe für den Alltag wichtig sind, dann wird dort nicht gespart. Wie gesagt, es geht hier nicht um die Marke, sondern um die Verarbeitung, Langlebigkeit, Funktionalität, Effizienz usw. eines Gegenstands.
  • Automatisierung und Delegieren von Aufgaben. Manche Personen haben beispielsweise einen Koch oder eine Sekretärin, die „langweilige“ und sich wiederholende Aufgaben abnehmen, sodass man mehr Zeit hat für sich, seine Familie und das Geschäft hat. Je nach Opportunitätskosten des Einzelnen, spielen sich diese Ausgaben schnell wieder rein – so die Rechnung.
  • Bildung. Vor allem an den Kindern, aber auch an der eigenen Weiterbildung wird nicht gespart. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Personen einen Großteil von Seminarteilnehmern ausmachen, weil sie die Kosten nicht als Ausgabe sehen, sondern als Investment ins eigene Humankapital, was sich um ein Vielfaches wieder auszahlt.
  • Erfahrungen und Erlebnisse. Das kann ein einfacher Ausflug oder ein längerer Urlaub mit der Familie, Freunden oder auch allein sein. Hier wird jedoch nicht Geld in ein Luxus Ressort gesteckt, sondern vielmehr in die Möglichkeit Zeit miteinander zu verbringen, die Welt zu erkunden und reicher an Erfahrungen zu werden.
  • Expertenwissen. Echte Millionäre haben oft ein Team aus Experten um sich, die sich um Steuerthemen, Geldanlagen usw. kümmern oder beratend zur Seite stehen. Ein paar Stunden für den Steuerberater sind gut investiertes Geld, wenn dadurch die laufende Steuerrate von dem Spitzensteuersatz von 42% auf knapp 16% verringert werden kann (Stichwort vermögensverwaltende GmbH). Gerade weil sie bereits sind, für Expertenwissen zu bezahlen und dadurch lukrativer und vielleicht auch noch kostengünstiger investieren, bauen diese Millionäre viel schneller Vermögen auf.

Diese Kombination aus Sparsamkeit und Bescheidenheit auf der einen Seite und die Bereitschaft, viel Geld in die Hand zu nehmen, wenn es zählt (sei es finanziell oder emotional), auf der anderen Seite finde ich genial.

Es war wie gesagt wirklich Neuland für mich und hierdurch bekommt der Spruch „durch sparen allein wird man weder reich noch glücklich“ deutlich mehr an Bedeutung.

Für mich persönlich ist das genau der richtige Weg, denn wie Du siehst, schließen sich „sparen und investieren“ sowie „wie ein Millionär leben“ nicht unbedingt aus.

Blogempfehlung: Leider gibt es nur wenig Einblick in das Leben der deutschen Millionäre. Die Dokus und Berichte, die verfügbar sind, kann ich nicht ernst nehmen. Es wird zu oft von Nerzen, Gucci und Prada erzählt. Ich denke das ist ja das, was die „normalen“ Leute hören wollen und wie sie sich reiche Menschen vorstellen. Wirklich empfehlenswert sind hingegen die Millionärinterviews der Freiheitsmaschine. Nicht alle dort sind Vermögensmillionäre, aber sie alle leben sehr ähnlich zu den Millionaires Next Door und haben alle für sich selbst gewissermaßen ausgesorgt. Auch hier habe ich einiges für mich mitgenommen.

Fortsetzung folgt

Bis hierhin ging es hauptsächlich darum, wie echte Millionäre leben und ihr Geld ausgeben (soweit ich das in der Kürze eines Blogartikels beschreiben konnte).

In Teil 2 geht es dann darum, für was ich selbst gerne Geld ausgebe, wann ich mir vielleicht auch mal was gönne ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, und wie ich dabei weiterhin viel Geld spare.

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2 comments on “Wie ein „richtiger“ Millionär leben – Teil 1

  1. Super Artikel, freue mich auf den zweiten Teil.

    Kleine Anmerkung: Die folgende Aussage ist streng genommen nicht korrekt.

    „Menschen sind also am glücklichsten, wenn sie ein Einkommen von $75.000 erreichen (+/- je nachdem in welcher Stadt sie leben).“

    Das Resultat der Studie ist ja nur, dass das Glücklichsein ab etwa diesem Einkommen eine Sättigung erfährt. Diejenigen mit 75.000 sind also nicht am glücklichsten, aber auch nicht weniger glücklich als diejenigen mit 100.000…

    Grüße
    Dominik

    1. Moin Dominik, das ist richtig. Gemeint ist damit ein gewisses Optimum von Glücklichsein pro $. Jeder $ mehr kann durchaus weiterhin glücklicher machen, aber nicht mehr in dem selben Umfang wie bis $75.000. Alles in allem nur grob aus der Hüfte geschossen, wenn du mich fragst, aber dennoch ist da etwas wahres dran.

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