Teil 2 – Brauche ich wirklich ein Auto?

In Teil 1 hast Du erfahren, warum ich auf ein Auto angewiesen bin, mir aber die Frage stelle, ob ich mir gegen Jahresende wieder ein Auto zulege.

Noch viel wichtiger ist der Punkt, welche Vermögensfallen lauern, wenn Du ein Auto finanzierst, Dir einen Neuwagen anschaffst, ein zu teures Auto kaufst oder noch schlimmer: Alles drei zusammen.

Welche Alternativen bleiben mir also

Alternative 1

Ich kaufe mir einen Gebrauchtwagen, der mindestens 3-5 Jahre alt ist, also einen großen Teil seines Wertverlustes bereits hinter sich hat, und dabei nicht mehr als 3 Monatsgehälter kostet.

Nehmen wir mal einfach an, ich kaufe mir einen 7 Jahre alten 5er BMW (Erstzulassung 2010) für €10.000.

Den Wertverlust pro Jahr setze mit 10% an, €300 für die Haftplicht-Versicherung, €180 für die Kfz-Steuer, €100 für den TÜV (alle 2 Jahre fällig) sowie €500 für Ölwechsel, Verschleißteile und Rücklagen für Reparaturen.

Unter der Annahme, das keine größeren Reparaturen notwendig sind, wären das €2.030 pro Jahr bzw. €169 pro Monat an laufenden Kosten inkl. Wertverlust.

Vorteile

  • Ich kann jederzeit mit dem Auto losfahren, wohin, wann und wie lange ich möchte
  • Ich kann Fahrgemeinschaften bilden und mir so zumindest die Benzinkosten teilen
  • Ich bin deutlich flexibler was mein Gepäck angeht

Nachteile

  • Das Geld für das Auto ist sofort fällig und bis zum Verkauf des Autos gebunden
  • Wenn am Auto etwas größeres kaputt geht, kann es sehr teuer werden und auch viel Zeit kosten
  • Ein Auto benötigt eine ordentliche Pflege, d.h. ich sollte es regelmäßig checken oder checken lassen
  • Ich benötige einen Parkplatz, was vor allem in der Stadt ein Problem sein kann (ich habe zum Glück einen Stellplatz in einer Tiefgarage)

Alternative 2

Für die Wochenenden, an denen ich zu meiner Familie oder in andere Städte fahre, würde ich von Freitag auf Sonntag ein Auto mieten. Die Preise scheinen hier bei den verschiedenen Anbietern wie Sixt, Europcar und Avis zwischen €60 und €75 für Klein- und Kompaktwagen zu liegen.

Vorteile

  • Bei seltener Nutzung wäre das günstiger als ein eigenes Auto
  • Die Autos sind meistens recht neuwertig und ich könnte so verschiedene Autos Probe fahren
  • Wenn es ein Diesel-Auto ist, spart man auch noch Geld beim Sprit gegenüber einem Benziner
  • Ich muss mich weder um TÜV, Versicherung noch Reparaturen und Wartung kümmern

Nachteile

  • Es lauern versteckte Kosten, wenn man nicht selbst das Auto wieder voll tankt, wenn die Kilometer limitiert sind, das Auto nicht rechtzeitig abgegeben wird, usw.
  • Es bedeutet für mich mehr Aufwand, denn der Abholort des Mietwagens ist locker 30-40 Minuten entfernt (Tür-zu-Tür). Das Auto muss anschließend auch wieder dorthin zurück gebracht werden, was vor allem spät abends umständlich ist
  • Wenn ich eine höhere Autoklasse fahren möchte, zahle ich ordentlich mehr
  • Wenn ich öfter als nur an 2 Wochenenden im Monat fahren muss, können die Kosten schnell die eines eigenen Autos übersteigen

An den Tagen, an denen ich das Auto nur kurz benötige, würde ich Carsharing der Anbieter Car2Go oder DriveNow nutzen. Abgesehen von der Anmeldegebühr kosten die Autos aktuell zwischen €0,24 bis €0,34 pro Minute, Benzin inklusive.

Vorteile

  • Ich zahle nur solange, wie ich das Auto auch nutze, also super für kurze Trips innerhalb der Stadt
  • Benzin ist bereits inklusive
  • Theoretisch kann ich das Auto überall in der Stadt abstellen, also auch direkt vor meiner Haustür (sofern ein Parkplatz frei ist)
  • Ich muss mich wie bei einem Mietwagen um nichts kümmern

Nachteile

  • Ein Auto ist nicht immer in der Nähe, was längere Wege bedeuten kann
  • Sollte ich das Auto zum shoppen außerhalb der Stadt nutzen wollen, kann es entweder sehr schnell sehr teuer werden oder das Auto ist weg und man kommt nicht mehr nach Hause

Sagen wir, ich buche jedes 2. Wochenende einen Mietwagen (2x €65), dann könnte ich das Carsharing zusätzlich für knapp über 2 Stunden pro Monat für kleinere Trips nutzen und wäre gleichauf mit den grob geschätzten Kosten eines eigenen Autos und müsste nicht erst einiges an Geld vorstrecken für den Kauf eines Autos.

Auf den ersten Blick klingt das gar nicht Mal so schlecht, wobei wie gesagt das Mieten und Carsharing leicht zu einer Kostenfalle werden können.

Mein Fazit

Beide Varianten haben so ihre Vor- und Nachteile.

Ich werde mich wahrscheinlich (vorerst) für die Variante des Mietwagens und Carsharings entscheiden.

Mir gefällt die Idee, dass ich je nach Bedarf ein Auto nutzen kann, vor allem wenn ich unter der Woche eh nur bedingt ein Auto brauche. Das bedeutet leider mehr Aufwand für mich, aber damit muss ich mir keine Sorgen machen, ob an dem Auto noch alles heil ist oder nicht doch ein größerer Defekt unter der Motorhaube lauert.

Hinzu kommt, dass ich meinen Stellplatz in der Tiefgarage evtl. untervermieten könnte und so €80-100 pro Monat zusätzlich für Mietwagen & Co. zur Verfügung hätte.

Das ganze soll aber wie gesagt „vorerst“ nur als Test laufen. In den ersten 3 Monaten werde ich dann wissen, ob mir diese Variante zusagt, oder ob ich mir nicht doch ein Auto zulegen werden. Schließlich muss es ja nicht gleich €10.000 teuer werden.

Wenn es soweit ist, werde ich meine Erfahrung teilen.

Mich würde natürlich brennend interessieren, ob vielleicht auch Du in einer ähnlichen Situation bist oder sogar schon einige Erfahrungen in beiden Bereichen sammeln konntest. Lass es mich gerne wissen!

3 comments on “Teil 2 – Brauche ich wirklich ein Auto?

  1. Auf Finanzglueck.de bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, der meine Meinung teilt. Der Blogger Nico sieht das Auto als unseren größten Wohlstandsvernichter und hat meiner Meinung nach alles richtig gemacht.

    Hier ist der Link zu dem Artikel, in dem Du mehr zu Nico und seinem Umgang mit dem Thema Auto erfährst: http://finanzglueck.de/auto/

  2. Mein Freund und ich haben uns das auch durchgerechnet, ob sich Car-Sharing für uns lohnen würde. Meine Eltern wohnen zwar abgelegener, aber man kommt mit den Öffentlichen zumindest hin. Deswegen fahre ich weiter Bahn und wenn mein Freund mitfährt, muss er rechtzeitig einen Sparpreis buchen. Manchmal bekomme ich von der Bahn einen Mitfahrergutschein geschenkt. Teuer wird es in 3 Jahren, wenn ich keine Bahncard 50 mehr habe (lohnt sich ab 28 nicht mehr, da diese im Jahr 200€ teurer ist als für Jugendliche). Ab da werden wir uns dann (spätestens) ein Auto kaufen. Ich persönlich bin ja ein Dacia-Fan, weil man da für 10k bereits einen Neuwagen bekommt. Ich will keinen alten Gebrauchten, sondern we nig Stress mit einem Auto. Auch Leasing käme deswegen für mich infrage. Carsharing ist schwierig, weil meine Eltern dafür zu abgelegen wohnen und ich einen Leihwagen für eine Woche blockieren & zahlen müsste.

    1. Man merkt ganz gut, dass dieses Thema sehr speziell für jede Person ist und jeder für sich seine eigene persönlich zugeschnittene Lösung finden muss. Und nicht nur das. Diese Lösung kann sich für die selbe Person über die Zeit stark ändern. Noch fahre ich gut mit meinem Gebrauchten und ein Auto zu besitzen ist super praktisch, keine Frage. Auch Mietwagen würden für mich aktuell (zwar weniger flexibel) noch funktionieren. Sobald ich aber öfters heim fahre, öfters in der Umgebung mobil sein muss oder die Familie wächst, siehts schon wieder ganz anders aus. Es bleibt also nichts anderes übrig sich bewusst dazu Gedanken zu machen, denn dadurch ergeben sich vielleicht interessante Sparpotentiale. Manchmal zählt aber auch einfach die stressfreiere Variante, denn nur für ein paar Euro mehr in der Tasche im Monat möchte ich nicht ständig zum Flughafen tingeln und die Mietwagen-Routine von A bis Z durchlaufen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.