Schulden loswerden, so geht’s – Teil 1

Schuldenfrei zu sein bedeutet für mich finanzielle Unabhängigkeit und ist ein notwendiger Grundstein finanzieller Freiheit – zumindest wie ich sie für mich definiere.

Auch objektiv gesehen ist Schuldenfreiheit weitaus wertvoller als man denkt, denn jeder Kredit und jeder Vertrag stellt eine Verbindlichkeit dar, der man nicht so einfach entgehen kann und manchmal über Jahre und Jahrzehnte abbezahlt werden muss.

Jeder zusätzliche Euro Schulden zwingt einen immer mehr und immer weiter weiter zu arbeiten und erhöht das Risiko des Zahlungsausfalls.

Der einfachste Tipp ist also, gar nicht erst auf die Idee zu kommen, sich mehr und mehr „auf Pump“ zu kaufen und sich später zu fragen, wie man wieder aus der Situation herauskommt.

Meine Erfahrung: Wenn ich mir etwas kaufen möchte, dann ist es mir wichtig, dafür erst zu sparen und erst dann aus eigener Tasche zu bezahlen. Meistens überlegt man sich nämlich den Kauf zweimal und vermeidet allein so schon unnötige Ausgaben. Es fühlt sich definitiv unterschiedlich an, wenn man einen Fernseher für €3.000 in Bar bezahlen muss oder dafür einem Kredit der Bank erhält.

Es kann natürlich aber auch sein, dass man „sinnvolle“ Schulden machen musste wie z.B. für die eigene Ausbildung oder den Kauf einer Immobilie als Kapitalanlage. Das sind für mich übrigens die einzigen Schulden, die ich gut finde, denn sie ermöglichen Chancen und zahlen sich aus. Ich selbst habe damals während meines Studiums eine Finanzierung genutzt und werde in Zukunft Immobilienfinanzierungen für mich nutzen. Wichtig ist aber auch hier, dass man mittel- bis langfristig diese Schulden abbaut und die Schuldenfreiheit erreicht.

Wenn man sich dann doch den neuen Fernseher oder ein neues Auto auf Pump gegönnt, vielleicht auch noch das Konto überzogen hat, ist die Welt noch nicht untergegangen. Es ist jedoch dann umso wichtiger zu verstehen, dass es sich lohnt dagegen etwas zu tun und dass das Ganze oftmals „nur“ eine gewisse Disziplin erfordert.

Schritt für Schritt Schulden loswerden

Schritt 1 – Mache eine Schuldeninventur

Die Grundlage für alles Weitere ist eine kurze Vermögensinventur. Wie das geht beschreibe ich in diesem Artikel. Wenn Du eine solche Inventur noch nicht gemacht hast, empfehle ich Dir dies kurz nachzuholen – dies ist auch ohne Schulden lohnenswert.

Schritt 1 ist also sich erst Mal eine Übersicht zu verschaffen, welche Schulden überhaupt bestehen und wie viel Nettovermögen unterm Strich übrig bleibt.

Die Seite der Verbindlichkeiten brauchen wir jedoch in etwas mehr Details. Über die Höhe der Schulden ist noch wichtig zu wissen wie hoch die Zinsen sind, welche Raten monatlich gezahlt werden und welche Flexibilität man bei der Rückzahlung hat (z.B. in Form einer Sondertilgung). Das Ganze könnte dann ungefähr so aussehen:

Ich habe versucht möglichst unterschiedliche Schulden aufzuschreiben, die eine Person mit etwa 30 Jahren so haben könnte. Und wie Du siehst, brauch man für eine solche Übersicht nicht mehr als einen Stift und ein Blatt Papier.

In diesem Fall müsste sie jeden Monat €1.175 für Kredite aufbringen, dabei sind die Schulden nicht ganz unrealistisch. Wenn hier also ein Finanzpolster fehlt, könnte ein Jobverlust im Ernstfall auch schnell zu einer Privatinsolvenz führen.

Glaubt man den Statistiken, beträgt die Durchschnittsschuldenhöhe bei Privatinsolvenzen in Deutschland sogar „nur“ €33.000. Mehr dazu im Schuldenbarometer der crifbuergel.de. Es kann also manchmal schneller gehen als man denkt, wenn man keine helfende Hand hat.

Schritt 2 – Bestimme die Strategie und setze Prioritäten

Nachdem feststeht, welche Schulden bestehen, geht es darum sie möglichst effizient loszuwerden. Dafür muss man gut priorisieren, vor allem wenn am Ende des Monats weniger Geld zur Verfügung hat.

Egal wie hoch die Sparquote oder die Schulden jedoch auch sind, es sollten zu Beginn nur 50% des frei verfügbaren Geldes in die Tilgung der Schulden fließen. Diesen Tipp habe ich in dem Buch „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ von Bodo Schäfer aufgeschnappt und halte ihn für sehr sinnvoll. Ich selbst würde tatsächlich ebenfalls nur 50% für die Tilgung nutzen und die anderen 50% für den Aufbau meines Finanzpolsters.

Denn Liquidität sollte in allen Fällen vor Rentabilität stehen!

Selbst wenn ein ausreichendes Finanzpolsters bereits besteht, sollten dann die 50% in den Vermögensaufbau, also in die 3 verbleibenden Vermögenstöpfe fließen.

Der Grund ist recht simpel. So fühlt man sich nicht nur finanziell abgesichert, sondern auch zunehmend vermögend, und das trotz weiterhin bestehender Schulden. Genau das wirkt sich auch positiv auf die langfristige Motivation aus. Natürlich hast Du zu diesem Zeitpunkt auch die Wahl mehr zu tilgen und schneller Schulden los zu werden – Dein Nettovermögen erhöht sich schließlich in beiden Fällen.

Nachdem klar ist, wie viel monatlich getilgt werden soll, geht es jetzt um die Reihenfolge. Grundsätzlich gilt: je höher die Zinsen, desto schneller sollte man versuchen diese Kredite loszuwerden.

Leider lässt nicht jeder Kredit eine flexible Rückzahlung zu oder nur unter Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank. Deshalb lohnt es sich hier einen genaueren Blick in den Vertrag zu werfen.

Zurück zu unserem Beispiel

In unserem Fall habe ich bereits ein wenig vorsortiert und wie Du siehst steht der Dispokredit an erster Stelle. Für ein überzogenes Konto, Dispokredite oder Kreditkartenschulden verlangt die Bank meistens die höchsten Zinsen. Hier besteht jedoch die Möglichkeit sehr flexibel und sogar in einem Zug alles zurückzuzahlen. Deshalb sollte zu Beginn wie anfangs beschrieben jeder bereitgestellte Euro hierfür genutzt werden.

Sobald der erste Kredit gefallen ist, solltest Du Dich freuen, denn es ist der erste Schritt zu mehr Freiheit. Es geht jedoch sofort weiter mit den Nächsten.

Konsumkredite stehen hier an nächster Stelle. Es kommt wahrscheinlich auf den Vertrag an, denn nicht immer ist eine Sondertilgung möglich. Wenn keine frühzeitige Tilgung möglich ist oder mit hohen Kosten verbunden wäre, geht es weiter zu den nächsten Schulden. Diese Kredite werden dann erst Mal über die regulären Raten abbezahlt. Hier ist das Finanzpolster umso wichtiger, damit zukünftige Raten auch abgesichert sind.

Bildungskredite sind oftmals ebenfalls relativ hoch verzinst, wenn sie von Banken stammen. Hier gilt also das Gleiche wie für Konsumkredite. Eine Ausnahme bildet eine BAföG-Finanzierung, denn hier wird der Kreditteil mit 0% verzinst, sodass man dann diesen Kredit getrost an die letzte Stelle der Schuldenliste stellen kann (es sei denn man kann sich einen ordentlichen Rabatt durch vorzeitige Rückzahlung sichern).

Geliehenes Geld sollte nur in wirklichen Notsituationen in Anspruch genommen und natürlich immer zurück gezahlt werden! Es bedeutet nämlich viel Vertrauen, dass man vom Geldgeber erhält und führt nicht selten in Streitfällen zu kaputten Freundschaften und Beziehungen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass man offen kommuniziert, wann man damit plant das Geld zurück zu zahlen. Genau so offen kommunizieren sollte man jedoch, wenn man zuerst dringende Schulden wie einen Dispokredit ablösen muss. Denn Menschen werden dafür Verständnis haben – Nur dann nicht, wenn sie ihrem Geld hinterherrennen müssen, Versprechen nicht gehalten oder sie sogar angelogen werden.

Zu guter Letzt noch das Thema Immobilienfinanzierung (hier einer Eigentumswohnung). Dies ist meistens der größte Kredit eines privaten Haushalts und es spielt meiner Ansicht nach eine große Rolle, ob damit eine Kapitalanlage (also eine vermietete Immobilie) oder das Eigenheim finanziert wird. Bei einer vermieteten Immobilie stehen meist genügend Mieteinnahmen der Finanzierung gegenüber und die Zinsen lassen sich steuerlich als Ausgaben berücksichtigen. In diesem Fall würde eine solche Finanzierung an letzter Stelle stehen und alle anderen Schulden Vorrang erhalten. Bei einem Eigenheim sieht das leider anders aus und jeder Euro an Zinsen belastet das eigene Vermögen. Deshalb sollte hier versucht werden, dass man den Kredit schnellstmöglich tilgt und dafür zum Beispiel auch die Sondertilgung (meist 5% der Kreditsumme pro Jahr) ausreizt. Abhängig von dem Zinssatz natürlich, sollten Kleinkredite wie der Dispokredit und Konsumkredite auch hier als erstes eliminiert werden. Deshalb steht der Kredit in diesem Fall an letzter Stelle.

Ein Bonustipp an dieser Stelle, manchmal lohnt es sich einfach mit dem kleinsten Kredit anzufangen. Sobald dieser vollständig abgelöst ist, verkürzt sich bereits die Schuldenliste und es stellt sich ein erstes Erfolgserlebnis ein :).

Fortsetzung folgt

Bis hierhin wissen wir, welche Schulden (noch) vorhanden sind und arbeiten diese nach einer bewussten Reihenfolge ab. In Teil 2 geht es dann weiter mit einem echten Beschleuniger für die Tilgung der Schulden und als Bonus mit einem interessanten Gedankengang zum Thema Schulden, den ich mir bei einer Bloggerin aufgeschnappt habe.

Weiter mit Teil 2 zu „Schulden loswerden, so geht’s“

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