Geheimtipp #8 – Gut ist manchmal gut genug

Es ist so oft so nervig Perfektionist zu sein.

Perfektionismus kostet nicht nur viel Zeit, sondern Perfektionismus lähmt.

Ich merke das wieder bei diesem Artikel, denn auch wenn ich es kurz halten möchte, soll der Artikel schließlich gut werden.

Das Problem an der Sache, bei Perfektionisten sitzt die Messlatte ziemlich hoch, sodass ich entweder immer wieder den ersten Satz neu anfange, um den „perfekten“ Einstieg zu finden, oder sogar dazu, dass ich etwas immer wieder aufschiebe, weil aus jeder noch so kleinen Aufgabe gefühlt eine große wird.

Deshalb nervt es mich, wenn ich in genau solchen Situationen feststecke und mal wieder zu viel Zeit und Energie in etwas gesteckt habe, aber immer noch nicht am Ende bin – gerade weil ich weiß wo es hakt.

Perfektionismus ist zwar nicht per se schlecht, denn dadurch habe ich einen ganz anderen Anspruch an Dinge und die Qualität meiner Arbeit ist eine ganz andere, aber wie so häufig, kommt es auf die richtige Balance an. Ohne eine ausgewogene Balance zwischen Perfektionismus und Pragmatismus wird sonst nie etwas fertig.

Ich spreche jedenfalls aus Erfahrung.

Deshalb ist gut manchmal gut genug.

Es hat zwar lange gedauert, aber ich habe für mich verstanden, dass gut manchmal gut genug ist. Noch viel wichtiger, ich habe für mich Wege gefunden, damit ich mich daran auch halte.

Das heißt nicht, dass ich jetzt auf Qualität verzichte. Es heißt vielmehr, dass ich mich auf das Wesentliche konzentriere, wenn ich vorwärts kommen und mich nicht mehr auf der Stelle drehen möchte.

Auf den eigenen Perfektionismus zu verzichten ist nicht leicht! Perfektionisten wissen, was ich meine. Nur seitdem ich sehe wie ich dadurch wichtige Fortschritte mache, sei es finanziell, persönlich oder in Bezug auf meine Nebenprojekte, wird es immer leichter davon auch mal Abstand zu nehmen.

Ich gebe Dir mal ein paar Beispiele.

Wenn ich heutzutage an Etwas sitze, ich aber wieder in den Details versinke oder nicht weiß, womit ich anfangen soll, hilft mir vor allem die altbekannte 20/80-Regel. Nach dieser Daumenregel sind 20% des Inputs für 80% des Outputs verantwortlich.

Als ich mir zum Beispiel mein diversifiziertes Portfolio zusammenstellen wollte, wäre ich wahrscheinlich noch heute ohne Strategie und ohne Portfolio, wenn ich mich nicht an diese Regel gehalten hätte.

Was die Allokation angeht machen demnach 20% der Länder etwa 80% des Weltmarktes aus oder 20% der Unternehmen eines Landes 80% des Marktes in diesem Land. Die Realität sieht nicht immer genau so aus, aber oft sehr ähnlich. Deswegen konnte ich mich sehr einfach zuerst auf diese 20% als Grundstein meines Portfolios konzentrieren und – das wichtigste dabei – mich damit auch erstmal zufrieden geben.

Ich konnte mir nämlich sicher sein, dass ich so schon mal eine gute Basis habe. Alles andere ist dann nur noch Optimierung, um die letzten 20% herauszuholen, wenn ich denn Zeit dafür habe und den Bedarf sehe.

Tim Ferriss, von dem ich diese Regel ursprünglich habe, bezieht sich dabei öfters auch auf die Minimum Effective Dose („MED“), also die Mindestdosis, um ein gewünschtes Ergebnis zu erhalten. Eine zu geringe Dosis hätte keine Wirkung, eine zu hohe Dosis hätte sogar Nebenwirkungen. Die richtige Balance macht es.

Anderes Beispiel.

Wenn ich ein neues Produkt entwickeln oder ein neues Projekt starten möchte, suche ich nach dem Minimal Viable Product („MVP“) und versuche genau das erst mal umzusetzen. Für mich bedeutet das eine Art Prototyp des Projekts mit einem Minimum an Funktionen, Kosten und Zeitaufwand, um es zum Laufen zu bringen und zu testen.

Gerade hier kann man als Perfektionist so richtig versinken ohne jemals das Projekt zu beenden und live zu schalten. Ich spreche aus Erfahrung…

Bei meinem Blog hieß das damals, dass ich mich darauf konzentriert habe einen Serveranbieter zu finden, mit einem kostenlosen WordPress Theme zu starten und die Seite nur mit den nötigsten Informationen zu bestücken, bevor ich die ersten Artikel veröffentlicht habe.

Optische Verbesserungen, zusätzliche Funktionen, usw. kann ich ja auch im laufenden Betrieb umsetzen. Noch wichtiger, erst im laufenden Betrieb erhält man wichtiges Feedback, was gut läuft und was nicht, sodass man dadurch das Produkt oder Projekt erst verbessern kann.

Hätte ich zum Beispiel meinen Blog, so wie er jetzt steht, von Anfang an haben wollen, wäre ich wahrscheinlich bis heute noch nicht online oder hätte zum Beispiel ein Produkt komplett am Markt vorbei entwickelt.

Vor allem zu dem letzten Punkt fällt mir irgendwie der klassische deutsche Softwareentwickler ein. Es ist eine deutsche Tugend ein Produkt zu entwickeln, das möglichst fehlerfrei ist. Die Entwicklung einer Software dauert jedoch u.U. mehrere Jahre bis sie fertig und final ist. In der Situation wurde jedoch oft vergessen zu schauen, wie denn der Kunde darauf reagiert. Hier haben, die Amis ein wenig die Nase vorn, denn sie arbeiten gerne mit dem MVP-Konzept. Erst werden nur die Grundzüge der Software programmiert und sofort beim Kunden getestet. Kommt etwas nicht so gut an, wird es sofort verbessert. An der Optik, an Details und an Extra-Funktionen wird erst später gefeilt, wenn die Software finalisiert werden soll.

Letztes Beispiel und hier schließt sich der Kreis.

Auch wenn ich heute Blogartikel schreibe, sehe ich das Ganze nicht mehr als einen Prozess, sondern trenne sehr stark (zumindest gedanklich) zwischen Entwurf und finaler Fassung, ähnlich dem MVP-Gedanken.

Ich habe damals immer versucht von Anfang an einen perfekten und fertigen Artikel zu schreiben. Nicht nur, dass das sehr anstrengend ist, Artikel werden so nie fertig.

Deshalb versetze ich mich erst in die Situation des Rohentwurfs. Hier versuche ich in einem Schwung den Artikel vorzuschreiben und darf auch gerne Fehler machen oder Platzhalter setzen – denn es ist ja nur ein Entwurf.

So fällt mir zumindest das Schreiben immer leichter und es entsteht in kürzester Zeit eine erste Version.

Erst dann geht es ab zum Feinschliff.

So nehme ich mir unglaublichen Druck von einer solchen Aufgabe und es soll ja irgendwie auch Spaß machen.

Dabei hilft übrigens auch klassische Ablenkungen wie Facebook, YouTube & Co. so weit es geht zu reduzieren.

Ich merke es immer wieder. Je anstrengender die Aufgabe, desto schneller flüchtet man in die Prokrastination. Jetzt wird’s philosophisch: Es ist wie mit dem Wasser. Wird es unter Druck gesetzt, sucht es sich den Weg mit dem geringsten Widerstand. Ein neuer Blogartikel ist es meistens nicht.

Fazit

Einen hohen Anspruch zu haben und Perfektionist zu sein ist grundsätzlich nicht schlecht. Eher im Gegenteil, denn dadurch hat wie gesagt die eigene Arbeit oft eine deutlich bessere Qualität.

Wenn genau dieser Anspruch und Perfektionismus jedoch im Weg steht und ich dadurch nichts auf die Beine bekomme, ist gut manchmal gut genug.

Denn sobald der Prototyp, der Entwurf oder was auch immer steht und funktioniert, lassen sich sie sich später immer noch optimieren und verfeinern was das Zeug hält.

Ich selbst bin wie gesagt normalerweise durch und durch Perfektionist, aber wie Du siehst habe ich mit simplen Methoden einen Weg gefunden, die richtige Balance zu finden.

Und je mehr Fortschritt ich sehe, desto einfacher wird es für mich meinen Perfektionismus in die zweite Reihe zu stellen.

Hier hilft übrigens auch die Dinge möglichst simple zu halten. Auch das hat mir zum Beispiel bei meiner Vermögensstufe 2 geholfen und spart auch noch Zeit.

Weitere Tipps aus dieser Geheimtipp-Reihe findest Du übrigens hier.

Viel Erfolg bei Deinem nächsten Vorhaben!

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