Ein Trailing Stop Loss hätte mich bereits 3 Mal Geld gekostet

Macht ein Trailing Stop Loss wirklich Sinn? Wenn ja, wann?

In meinem Fall hätte mich eine solche Verkaufsorder jedenfalls 3 Mal Geld gekostet, und das innerhalb von 2 Jahren.

In der Grundidee ist ein Stop Loss ja eine feine Sache. Er ermöglicht es mir mich vor Verlusten zu schützen, indem meine Aktien schlichtweg automatisch zum nächstmöglichen Preis verkauft werden, sobald eine von mir gesetzte Schwelle überschritten wird.

In anderen Worten, wenn ich eine Aktie für €50 das Stück kaufe (1) und die Stop-Loss Schwelle 5% darunter setzte – also bei €47,50 (2) – wird meine Verkaufsorder dann ausgeführt, sobald die Aktie diese €47,50 unterschreitet (3).

Graphikquelle: onvista bank

Jetzt gibt es noch den Trailing Stop Loss, der mir die Möglichkeit geben soll, bei steigenden Kursen meine Gewinne abzusichern. Dabei wird die von mir gesetzte Schwelle stetig nach oben angepasst, wenn die Kurse steigen.

Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Steigt meine Aktie auf €100, wird die Stop-Loss Schwelle bei einem Abstand von 5% zum Kurshöchststand auf €95 angehoben. Damit sichere ich mir in der Theorie bis zu €45 Kursgewinn ab. In der Theorie…

Graphikquelle: onvista bank

Beispiel: BMW AG Vorzugsaktie

Dass die Rechnung mit dieser Verkaufsorder, die mich ja vor Verlusten schützen soll, nicht immer aufgeht, sieht man ganz gut an meinem Aktienkauf vor 2 Jahren: BMW AG Vz. Aktie

Ich hatte nämlich zum ersten mal am 29.06.2016 in BMW investiert und zwischenzeitlich auch noch mal nachgekauft. Hätte ich jetzt sogar eine großzügige Trailing Stop-Loss Schwelle von 10% gesetzt, hätte ich meine Aktien bereits 3 mal wieder verkaufen müssen!

Bei einer Schwelle von 5% wären es sogar 5 male gewesen.

Es gibt hier mehrere Probleme, die ich sehe:

  1. Ich wäre deutlich früher aus dem Investment ausgestiegen, als geplant. Ich habe vor, meine BMW Aktien langfristig zu halten und sehe hier auch weiteres Wachstumspotential. Klar hätte ich bereits jetzt schon Gewinne mitnehmen können, aber diese liegen meiner Meinung nach weit unter dem, was gute Aktien langfristig bieten können.
  2. Ein vorzeitiger Ausstieg hätte mich auch noch die eine oder andere Dividende gekostet. Bei meinen günstigen Einstiegskursen waren es beide Male über 6% Dividendenrendite, die mir sonst entgangen wären.
  3. Während ich dank meiner Freebuys in der Regel für €0,80 pro Kauforder in Aktien investieren kann, kostet es mich derzeit €5,99 + 0,23% des Ordervolumens pro Verkaufsorder. Hinzu kommt, dass bei einem Trailing Stop Loss die Aktie zum nächstbesten Preis verkauft wird, was auch noch mal Geld liegen lässt.

Wie Du siehst, halte ich Stop-Loss Verkaufsorders für meine persönliche Anlagestrategie nicht wirklich für sinnvoll, sondern sogar für sehr kostspielig.

Das muss aber nicht für jeden gelten.

Wann ein Trailing Stop Loss Sinn ergeben könnte

Sinn und Zweck eines Trailing Stop Loss ist für mich, dass man auf steigende Kurse spekuliert, aber das Risiko besteht, dass das Unternehmen komplett abtauchen könnte.

Es geht also um Wetten auf bestimmte Unternehmen, wo das Risiko besteht, dass sie nicht aufgehen. Um in der Automobilbranche zu bleiben, wäre Tesla für mich so ein Kandidat. Auch wenn hier hohes Potential bestehen mag, schreibt das Unternahmen nach wie vor noch keine schwarzen Zahlen und hat sich als Unternehmen aufgrund seiner Produktionsschwierigkeiten auch noch nicht massentauglich gemacht.

Läuft Teslas Produktion richtig an und stimmt die Qualität der neuen Modelle, sollten sich BMW & Co. bereit halten für eine starke Konkurrenz. Tut sie das nicht und geht den Investoren die Geduld aus (noch schlimmer, es kommt eine weitere Krise dazwischen), könnte der Kurs auch schnell mal gen €0 laufen.

Für einen solchen Fall, wenn die Wette nicht aufgeht, hätte ich gerne eine gewisse Handbremse, die das Schlimmste vermeidet. Dabei müsste die Stop-Loss Schwelle großzügig genug gesetzt werden, um die „normale“ Volatilität der Aktie zu berücksichtigen.

Fazit

Wie Du an meinem BMW Beispiel siehst, halte ich grundsätzlich nicht viel von der Verkaufsorder Trailing Stop Loss. Mit ihr wäre ich viel früher als geplant ausgestiegen, hätte auf Dividenden verzichtet und auch noch jedes Mal ordentlich Gebühren gezahlt.

Wenn ich investiere, schaue ich mir Unternehmen raus, wo ich mehr Gewissheit habe, dass das Unternehmen auch in 20 Jahren noch besteht und idealerweise natürlich besser als heute. Das heißt ich versuche eher zu investieren als zu spekulieren, sodass diese automatischen Verkaufsorders meine Strategie nur stören würden.

Wie Du am Beispiel Tesla siehst, gäbe es aber dennoch sinnvolle Anwendungen für einen Trailing Stop Loss. Wenn ich also auch derartige Wetten eingehen würde, dann könnte es für mich eventuell doch noch Sinn ergeben.

Was denkst Du, sind die verschiedensten Ordertypen nützlich, oder tatsächlich nur kostspielige Spielerei?

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3 comments on “Ein Trailing Stop Loss hätte mich bereits 3 Mal Geld gekostet

  1. Nun, wir arbeiten mit trailing stop loss. Allerdings bekommen wir ein Hinweis per Email, sodass der Wert bei uns wieder im Fokus landet. Oft nutzen wir dies als Nachkaufmöglichkeit, wenn unsere Parameter für die Aktien noch stimmen. Erst 2 x haben wir wirklich die Werte verkauft. 1 x Lycos der zweite Wert war die Telekom. Die Telekom hat sich wieder erholt, Lycos gibt es nicht mehr. Wir arbeiten aber auch mit einen recht breiten Spectrum der Volatilität. Unsere Stoploss legen wir ca. bei 20 % an. Wir sind also bereit,bei einem Wert max. 20 % zu verlieren oder eben nachzukaufen. Das ist aber von Fall zu Fall einzelnd zu betrachten.

    Gruss Plutusandme

    1. Hallo Plutusandme, danke für eure Erfahrung!
      Das heißt ihr erhaltet einen Hinweis, dass der Stop Loss überschritten wurde und dann müsst ihr euch entscheiden ob ihr verkauft oder nicht? Oder wird automatisch verkauft, wenn ihr nicht schnell genug seid?

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